Die ambulante Versorgungslandschaft im Gesundheitswesen ist kompliziert und viele Patienten werden auf der Suche nach der passenden Behandlung alleine gelassen. Bestehende Strukturen und unklare Abläufe führen dazu, dass Patienten nicht immer zeitnah die passende ärztliche Versorgung erhalten. Stattdessen sind ihre Wege unkoordiniert und die Versorgung häufig vom Zufall geprägt.
Zugleich stehen die Kapazitäten von Ärzten einem spürbar wachsenden Behandlungsbedarf in der Bevölkerung gegenüber. Der demografische Wandel, der medizinische Fortschritt aber auch die geltenden Vergütungsmodelle in der Versorgung führen zu einem Mehr an Arztkontakten – doch das Sprechstundenangebot entwickelt sich nicht im gleichen Maß weiter. Zwar ist die Zahl der Ärzte in den vergangenen Jahren leicht gestiegen. Zugleich arbeiten mehr approbierte Fachkräfte im Angestelltenverhältnis, und der Anteil an Teilzeit nimmt zu.
Diese Aspekte führen dazu, dass:
- die Zahl der Arztbesuche in Deutschland im europäischen Vergleich sehr hoch ist (9,7 Arztkontakte im Jahr in Deutschland - auf Platz 3 in Europa)
- Patienten lange auf Facharzttermine warten müssen und
- die Notaufnahmen überfüllt sind.
Wir fordern einen gerechten und diskriminierungsfreien Zugang zu Arztterminen und eine gute Koordinierung der Patienten innerhalb der Versorgung. Ein Primärversorgungssystem ist dafür der richtige Schritt.
Daran anknüpfend fordern wir:
- Eine medizinische Ersteinschätzung ist die erste wichtige Komponente eines Primärversorgungssystems. Sie fördert Gesundheitskompetenz und bietet Patienten klare Orientierung im Versorgungssystem. Die Ersteinschätzung sorgt zudem dafür, dass der individuelle medizinische Bedarf der Patienten und die Dringlichkeit einer Behandlung wieder stärker in den Fokus rückt.
- Digitale Lösungen können die Versorgung entlasten, die Erreichbarkeit verbessern und Transparenz über verfügbare Angebote schaffen. Eine einheitliche Terminplattform, telemedizinische Angebote und digitale Leistungen müssen daher selbstverständlicher Bestandteil der Versorgung werden. Dabei muss sichergestellt sein, dass alle Zugangswege einheitlichen Kriterien unterliegen und die Ersteinschätzung das gleiche Ergebnis liefert.
- Medizinisches Fachpersonal muss stärker in die Versorgung eingebunden werden. Ein interdisziplinäres Team, das die Stärken aller Beteiligten nutzt, entlastet nicht nur Ärzte, sondern führt auch zu einer schnelleren und effizienteren Behandlung der Patienten.
- Krankenkassen sollten eine aktivere Rolle bei der Begleitung und Beratung ihrer Versicherten übernehmen können, etwa in Situationen, in denen kein Arztbesuch notwendig ist. Als vertrauenswürdiger Ansprechpartner mit innovativen und leistungsstarken Angeboten können Kassen helfen, geeignete Maßnahmen zur Prävention und Selbsthilfe zu ergreifen.
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