Gesundheitskompetenz entscheidet darüber, wie gut Menschen sich im Gesundheitssystem zurechtfinden, ihre Gesundheit erhalten und Krankheiten bewältigen können. Sie ist die Grundvoraussetzung für selbstbestimmtes Handeln, wirksame Prävention und gelingende Versorgung. Nach Ergebnissen des „Health Literacy Survey Germany 2014“ verfügten damals 54,3 Prozent der deutschen Bevölkerung über eine geringe Gesundheitskompetenz. Bis ins Jahr 2021 verschlechterte sich dieser Wert auf 58,8 Prozent. Eine dritte Studie zum Thema wird noch in diesem Jahr veröffentlicht, eine zunehmende Verschlechterung der Gesundheitskompetenz ist zu erwarten.
Drei bis fünf Prozent der Ausgaben im Gesundheitswesen sind nach Schätzungen der Technischen Universität München auf eine geringe Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zurückzuführen. Für Deutschland bedeutet dies in Zahlen eine Summe von etwa 15 bis 20 Milliarden Euro jährlich.
Eine geringe Gesundheitskompetenz führt u. a. zu …
- einem ungesunden Lebensstil, der das Risiko für Krankheiten erhöht,
- geringerer Inanspruchnahme von präventiven Gesundheitsmaßnahmen,
- fehlende Teilhabe an Fortschritten in der Versorgung, die digitale Kompetenzen erfordern, zum Beispiel bei ePA, eRezept, Videosprechstunden, digitalen Gesundheitsanwendungen u. Ä.
- einem höheren Sterberisiko,
- vermeidbaren Belastungen von Notfallstrukturen und Wartezeiten,
- einer stärkeren finanziellen Belastung des Gesundheitssystems.
Die Bedeutung von Gesundheitskompetenz ist allgemein anerkannt. Bereits 2017 wurde vom BMG die „Allianz Gesundheitskompetenz“ ins Leben gerufen. 14 zentrale Spitzenorganisationen des Gesundheitswesens, darunter der GKV-Spitzenverband, formulierten in der „Roadmap Gesundheitskompetenz“ vier übergreifende Ziele zur Förderung der Gesundheitskompetenz. Die Roadmap wurde 2024 veröffentlicht. An diese Forderungen knüpfen wir an und erweitern diese:
- Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in den Lebenswelten muss gestärkt werden: Wir wollen die Gesundheitskompetenz in den Lebenswelten (wie Kita, Schule oder Arbeitswelt) weiter verankern und insbesondere die vulnerablen Gruppen durch gezielte Angebote besser erreichen.
- Digitale Gesundheitskompetenz muss weiter gefördert werden: Wir wollen das Angebot digitaler Angebote für die (individuelle) Förderung von Gesundheitskompetenz stärken und weiter ausbauen. Die Angebote müssen qualitätsgesichert, verständlich, niedrigschwellig und inklusiv gestaltet sein.
- Gesundheitskompetenz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe: Gesundheitskompetenz zu fördern, ist nicht Aufgabe der GKV allein. Bildung, Arbeit, Pflege, Familie und Kommune müssen mitgedacht werden. Denn nur wenn alle für die Gesundheitskompetenz Verantwortlichen sich – auch finanziell – engagieren, können die Maßnahmen der GKV ihre volle Wirkung entfalten.
- Gesundheitskompetenz muss lebenslang gestärkt werden – altersgerecht, alltagsnah und barrierearm: Ältere Menschen, Kinder oder Menschen mit chronischen Erkrankungen haben oft nicht die Möglichkeit, an Gesundheitsinformationen oder bestimmte Angebote heranzukommen. Daher gilt es, zielgruppengerechte Angebote zu schaffen, die in die Lebenswelten der Menschen passen, und Barrieren abzubauen.
- Orientierung im Gesundheitssystem muss gestärkt werden: Gesundheitskompetenz heißt auch: wissen, wohin und wann. Daher gilt es, auch die Orientierung der Menschen im Gesundheitssystem zu stärken. Viele Menschen kennen die fachlichen Zuständigkeiten von Hausärztinnen/Hausärzten, ärztlichem Bereitschaftsdienst und Notaufnahmen nicht oder nicht ausreichend – mit Folgen für Versorgungsqualität und Ressourcen. Ein leicht verständliches Navigationssystem muss Patientinnen und Patienten darin unterstützen, den richtigen Zugang in die Versorgung zu finden.
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