Organspende ja oder nein?

Entscheidend ist die Entscheidung!

90 PROZENT DER BEVÖLKERUNG HABEN SICH IHRE MEINUNG ZUM THEMA ORGANSPENDE GEBILDET, ABER NUR 28 PROZENT HABEN SIE AUCH IN EINEM ORGANSPENDEAUSWEIS DOKUMENTIERT.

Dieses Missverhältnis lässt sich unter anderem mit diffusen Ängsten und der Verdrängung der Themen Krankheit und Tod in unserer Gesellschaft erklären. Der häufigste Grund ist jedoch die mangelnde Aufklärung und Konfrontation mit dem Thema Organspende im Alltag. Genau hier setzt der Verein Junge Helden an. Die BKK Akzo Nobel sprach mit Angela Ipach, Mitglied des Vereins.

Junge Helden e. V. wurde vor 12 Jahren gegründet. Was waren eure Beweggründe?
Angela: Meine Schwester Claudia litt an Sklerodermie, einer seltenen Autoimmunkrankheit. 2003 teilten die Ärzte ihr mit, dass eine Lungentransplantation überlebensnotwendig sei. Das war der Moment, in dem wir das erste Mal mit dem Thema konfrontiert wurden. Wir haben alle recht schnell festgestellt, dass wir zum Thema Organspende keine Meinung hatten. Wir wussten nichts darüber und sind auch vorher nie mit Organspende in Berührung gekommen. Wir haben recherchiert und gemerkt, dass junge Leute generell eher selten mit dem Thema in Kontakt kommen. Claudia wollte das ändern und das Thema in anderer Weise angehen. Sie hat uns alle mit ihrem Vorhaben direkt begeistert und gemeinsam mit unseren Freunden haben wir den Verein gegründet. Gemeinsam haben wir dann auch erlebt, was es bedeutet, vier Jahre lang auf ein Organ warten zu müssen.

Meine Schwester war kurz vor der Transplantation durch das lange Warten extrem geschwächt, uns allen war stets bewusst, dass die Zeit gegen uns lief. Wir hatten unglaubliches Glück, dass doch noch ein passendes Organ für sie gefunden wurde und sie
die Transplantation und Reha gut überstanden hat. Dadurch konnte sie vier Jahre lang ein nahezu gesundes Leben führen. 2011 ist sie dann sehr plötzlich an Herzversagen gestorben.

Wie geht ihr an das Thema Organspende heran?

Angela: Positiv und lebensbejahend. Wir machen deutlich, dass die Auseinandersetzung mit Organspende im Leben stattfinden muss. Zwar spielt der Tod eine zentrale Rolle – eine postmortale Spende ist erst nach dem Hirntod möglich – allerdings muss man die Entscheidung für oder gegen eine Spende mitten im Leben treffen. Genau hier setzen wir an. Dabei geben wir keine Entscheidung vor. Für uns gilt „Entscheidend ist die Entscheidung“.

Wie genau setzt ihr das um?

Angela: Mit Schulbesuchen, Diskussionsrunden, Sportevents, Festivals, Partys und medialer Präsenz sind wir permanent engagiert, öffentliches Bewusstsein fürs Thema zu schaffen. Wir erstellen Aufklärungsmaterial, verteilen Organspendeausweise, stellen uns Diskussionen, stehen für Fragen zur Verfügung und regen die persönliche Entscheidungsfindung an.

Ihr veranstaltet auch Partys zu dem Thema? Wie lässt sich das verbinden?
Angela: Indem wir das Thema mit jeder Menge Leben aufladen und es in einen Kontext bringen wollen, der Spaß macht, passen Partys unserer Meinung nach perfekt dazu. Unter dem Motto „Ein Club voller Helden“ steht die Party komplett unter dem Thema Organspende. Man kommt rein und bekommt direkt einen Organspendeausweis und Infoflyer.

Während des Abends stehen alle Vereins-Mitglieder jederzeit für Fragen zur Verfügung. Man erkennt uns am Junge-Helden-Shirt. Das Witzige und Reizvolle an den Partys ist, dass unsere prominenten Unterstützer an dem Abend die Jobs übernehmen. Dann stehen beispielsweise Joko und Klaas an der Kasse, der Schauspieler Jürgen Vogel an der Tür und Johanna Klum an der Bar. Dadurch reduziert sich auch die Hemmschwelle, sich dem Thema zu nähern.

Wieso ist es so wichtig, sich zu entscheiden?

Angela: Nur wenn ich mich zu Lebzeiten entschieden haben und meine Entscheidung mit meiner Familie bespreche, kann ich selbstbestimmt handeln und meine Angehörigen damit schützen. Vielen ist gar nicht bewusst, dass es neben der individuellen Entscheidung für oder gegen eine Organspende auch darum geht, sie den Angehörigen mitzuteilen. Letztendlich sind sie es, die entscheiden müssen, ob die Organe freigegeben werden oder nicht. Das Thema  sollte also in der Familie besprochen werden. Das hilft auch beim Abschiednehmen, weil die Hinterbliebenen dann wissen, dass sie genau das tun, was der andere wollte.

Warum ist die Auseinandersetzung mit Organspende und Tod wichtig?
Angela: Ich glaube, dass man dadurch eine bewusstere Einstellung zum Leben gewinnen kann. In unserer Gesellschaft wird der Tod nahezu tabuisiert. Stirbt ein Mensch, weiß das Umfeld oft nicht, wie es damit umgehen soll. Es wird geschwiegen, obwohl das Reden darüber alles etwas leichter macht. Sich mit Organspende auseinanderzusetzen, heißt einerseits den Tod anzuerkennen bzw. über seinen eigenen Tod nachzudenken. Das kann einem im Gegenzug aber auch mehr Lebensqualität bringen.

Liebe Angela, wir danken dir für das Gespräch.


Vereinsmotto: Entscheidend ist die Entscheidung!
In den Augen der Vereinsmitglieder ist jeder ein „Junger Held“, der sich mit dem Thema Organspende auseinandersetzt und sich die Zeit für seine persönliche Entscheidung nimmt.

❚ Anstoßen: Aufklären und das Thema gesellschaftsfähig machen

❚ Bewegen: Unterstützung bei der Entscheidungsfindung

❚ Verändern: Jeder Bürger trifft eine Entscheidung für oder gegen Organspende und dokumentiert diese auf einem Organspendeausweis.

Mehr Informationen über den Verein Junge Helden unter www.junge-helden.org
bzw. www.www.facebook.de/jungehelden

searching ...
Bitte warten.
Daten werden geladen...