BKK-Mitarbeiterin beim Freiwilligendienst in Südafrika

Urlaub – einmal anders!



Unsere Kollegin, Marion Zimmermann, berichtet von ihren nachhaltigen Eindrücken in einem Kindergarten in Südafrika.


Meinen letzten Urlaub habe ich einmal ganz anders verbracht – und zwar im Rahmen einer Freiwilligenarbeit in einem Kindergarten in Südafrika, in der Nähe von Kappstadt, in dem township Nomzamo.

Seit meiner ersten Reise nach Südafrika 2013 übt dieses Land eine ganz besondere Faszination auf mich aus. Nicht nur die Schönheiten der Natur und die atemberaubenden Tierbeobachtungen haben mich in ihren Bann gezogen, sondern von Anfang an auch die Menschen. Sie schienen trotz teilweise großer Armut, irgendwie glücklich und zufrieden, vor allem offen und interessiert an Begegnungen und Gesprächen. Ich hatte auch nie das Gefühl Neid oder Missgunst gegenüber den augenscheinlich „reichen“ Touristen zu spüren. Dieser Eindruck hat sich 2015 bei einer weiteren Reise durch Südafrika, Swasiland und Mosambique verstärkt. Seitdem trage ich ein Bild, eine kurze Momentaufnahme, in mir, die mich sehr berührt hat und nicht loslässt: “Auf einem Feld arbeiten Frauen in gebückter Haltung in der Mittagshitze. Sie richten sich auf als wir mit dem Safaritruck vorbeifahren, lächeln uns an und winken uns zu. Sie wirkten offen und ehrlich und trotz der starken körperlichen Anstrengung irgendwie glücklich und zufrieden“ Hin und her gerissen zwischen der Freude über diese offene, freundliche Geste und dem schlechten Gewissen über den eigenen Wohlstand und die oft fehlende Zufriedenheit, habe ich dieses Bild auch heute noch oft vor Augen. Es hat mir den letzten Anschub gegeben, zu der schon sehr lange bestehenden Überlegung an sozialen Projekten in 3.Welt-Ländern teilzunehmen. Das richtige Projekt zu finden ist nicht einfach. Oft ist eine Mindestdauer von 4-6 Wochen erforderlich. Alle Kosten, wie Flug und Unterkunft müssen natürlich selbst getragen werden. Was einen vor Ort erwartet, weiß man vorher sowieso nicht, daher habe ich es dieses Jahr dann einfach ausprobiert.


Was mich wohl erwarten wird?

Mit viel Spannung und Vorfreude und der unerklärlichen Gewissheit, dass ich ganz viel mitnehmen kann für mich, stand ich dann in dem Kindergarten, in dem Kinder im Alter von 0-6 Jahren betreut werden. Mir war klar, dass ich die örtlichen und finanziellen Gegebenheiten nicht verändern kann, sondern den Kindern einfach Aufmerksamkeit, Zeit und Liebe schenken möchte. Mir war nicht klar mit wie viel Freude, Begeisterung und Offenheit die Kinder, mich von Anfang an bestürmen würden. Ein ca. 2-jähriges Kind kam am ersten Tag auf mich zugerannt, ist auf meinen Schoß geklettert, hat mich umarmt und geküsst und angestrahlt als ob ich der Weihnachtsmann wäre. Das waren die Momente, in denen mir zu 100% klar war, das Richtige getan zu haben.

In der Gruppe der 0-3 jährigen waren zwei Betreuerinnen damit beschäftigt, bis zu 30 Kleinkinder zu füttern und zu wickeln, so dass kaum Zeit blieb, sich mit den Kindern zu beschäftigen. Es gab auch keine Einweisung für mich oder einen Plan, was ich wann wie tun sollte – es hat sich einfach ergeben und es war viel Eigeninitiative gefragt. Zum Füttern der Kinder bekam eine Schüssel mit Brei in die Hand gedrückt und schon kamen die Kinder gerannt. Es gab keine Tische oder Stühle für die Gruppe der Kleinkinder. Ich saß auf einer Matratze mit der Schüssel in der Hand und die Kinder standen mit offenen Mündern um mich herum. Die Kleinen wurden zusammen mit einem Löffel aus einer Schüssel gefüttert. Anfangs war das gewöhnungsbedürftig, gerade weil man in Deutschland so sehr auf Hygiene achtet, dann war es aber ganz normal, weil es räumlich und zeitlich nicht anders möglich gewesen wäre. Es gab nur wenige Spielsachen und diese waren größtenteils kaputt, was die Kleinen aber nicht stört, sie sind mit sehr wenig zufrieden. Ganz einfache Dinge, wie Seifenblasen und Luftballons, wurden mit Freudenschreien aufgenommen. Wenn auch die Luftballons nur ein kurzweiliges Vergnügen waren, denn die Kinder versuchen die Spielsachen zu behalten, zu verteidigen oder zu verstecken. Auch über die mitgebrachten Bälle haben sich alle Kinder unglaublich gefreut, doch es war fast nicht möglich, gemeinsam damit zu spielen, weil jedes Kind den Ball behalten wollte. Beim Spielen gab es auch oft Rangleien um meine Aufmerksamkeit, teilweise hatte ich sechs Kinder auf und an mir hängen. Das beste Mittel, um alle Kinder gemeinsam zu begeistern, war der Gesang der Betreuerinnen. Wenn englische und auch afrikanische Lieder gesungen wurden und die Kleinen voller Begeisterung getanzt, geklatscht und mitgesungen haben, kam bei mir Gänsehaut auf, es waren unbeschreibliche Momente . Selbst die Kinder, die kaum laufen konnten, haben sich beim Tanzen ganz leicht getan. Das Lied „Don´t touch my body“ wurde in allen Altersstufen voller Inbrunst gesungen. Eine klare Aussage: „My body is mine, fom head to toe I have the right to say no!“ von Anfang an wichtig für jedes Kind auf der Welt


„Nur“ eine Umarmung, aber so viel wert

Durch das Singen englischer Lieder werden die Kinder von klein auf mit Englisch in Berührung gebracht. Die 0-3-Jährigen haben teilweise noch gar nicht oder nur wenig und wenn dann Xhosa (eine afrikanische Sprache) gesprochen. Beim Trösten habe ich manchmal auch spontan deutsch gesprochen, denn wichtig ist einfach eine tröstende Stimme und vor allem eine Umarmung. Normalerweise müssen die Kinder aufstehen und zu den Betreuerinnen gehen, um getröstet zu werden, weil die Frauen, bei der Anzahl der Kinder, nicht jedes Kind, das weint, hoch nehmen können. Die Aufgabe des Tröstens habe ich gerne übernommen. Die Kinder halten dort viel aus und sind recht hart im Nehmen. Wobei das eine oder andere Kind zu weinen anfing, um Aufmerksamkeit und Nähe von mir zu bekommen. Ab zwei Kindern wurde das Hochnehmen schwierig, so dass ich mich mit ihnen auf die Matratze gesetzt habe und auch mit deutschen Sing- und Klatschspielen Lacherfolge erzielen konnte.
In der Vorschulgruppe sollte ich den Kindern beim Schreiben von Buchstaben, Zahlen und ihrem Namen helfen und vor allem Kinder unterstützen, die sich noch schwer getan haben. Auch die schon älteren Kinder waren für so wenig so dankbar. Ein weiteres Blatt Papier zum Malen bewirkte schon  ein strahlendes Kindergesicht. Oft haben sie sich in einer Schlange angestellt, wenn ich mit einem Kind etwas gespielt oder gemalt habe. In meiner Freizeit habe ich mir überlegt, was ich mit ihnen machen könnte und habe z. B. Muscheln gesammelt und mitgebracht. Sie wurden jubelnd bestaunt. Die Kinder hatten noch nie Muscheln gesehen, obwohl der Strand vom township nur 15-20 Minuten (mit dem Auto) entfernt ist. Aber die Menschen, die dort leben, haben selten ein Auto und ein Bus oder Taxi kostet Geld, das für andere Dinge nötiger gebraucht wird. Unternehmungen in die Umgebung kann eine Familie sich dort nicht leisten. In solchen Momenten möchte man am liebsten alle einpacken und ans Meer fahren. Viele gute Ideen lassen sich leider in der kurzen Zeit nicht umsetzen. Dazu zählte auch das Zähneputzen im Kindergarten. Die Kinder haben teilweise sehr schlechte Zähne. Leider gab es in dem Kindergarten aber nur ein funktionierendes Waschbecken für 70-80 Kinder, deshalb war es nicht möglich, sie dort Zähne putzen zu lassen. Auch wenn der Kindergarten recht klein und nicht gut ausgestattet war, ging es den Kindern dort gut. Die Betreuerinnen haben die Kinder sehr liebevoll behandelt. Das Essen war ausreichend und gut, es wurde täglich frisch gekocht. Davon konnte ich mich persönlich überzeugen, denn auch ich habe täglich einen leckeren  Frühstücksbrei und ein warmes Mittagessen bekommen.


Viele wertvolle Erfahrungen gesammelt

Drei Wochen waren so schnell zu Ende und der Abschied ist mir richtig schwer gefallen. Die kleinen Abschiedsgeschenke, wie Malbücher, Stifte und Kuscheltiere wurden von den Kindern mit einer unbeschreiblichen Begeisterung entgegen genommen, vor allem als ich ihnen gesagt habe, sie sollen die Sachen in ihre Taschen packen und mit nach Hause nehmen. Zuhause ist für viele ja nur eine kleine Hütte und wahrscheinlich für die Kinder wenig Raum für eigene Dinge. Ich hätte gerne auch die Eltern kennen gelernt, mehr über das Leben der Kinder erfahren, Kontakte geknüpft und eine Patenschaft übernommen. Das Vertrauen der Kinder gewinnt man so schnell, wie aber das Leben zu hause abläuft, erfährt man in der kurzen Zeit leider nicht.  

Ja was nehme ich mit aus dieser Zeit? Dass ich eigentlich etwas geben wollte und noch vielmehr zurück bekommen habe. Viele Fragen und Themen beschäftigen mich seitdem. In einem township in Afrika geboren zu werden, zeichnet ein Leben vor, das viele Entbehrungen, wie z. B. gesundheitliche Unterversorgung und schlechte Chancen auf Bildung, beinhaltet. In Deutschland geboren zu sein, hat mir viele Möglichkeiten eröffnet, die die Kinder in den townships niemals haben werden. Ich kann das nicht ändern, aber zumindest kann ich von meinem „Wohlstand“, vor allem von meiner Zeit, Menschlichkeit und Liebe dort etwas abgeben, wo es gebraucht wird, Das macht mich nicht zu einem besseren Menschen, denn ich tue es ja auch weil es mir selbst gut tut und ich viel zurück bekomme. Ich werde auf jeden Fall nach Südafrika zurück kehren. Mein Wunsch wäre es, noch einmal länger an einem sozialen Projekt zu arbeiten, um noch mehr von den Menschen und ihrem Leben, ihren Träumen, Wünschen und Hoffnungen mitzubekommen. Es gibt sicher noch ganz vieles, was ich dort lernen und erfahren und mich mit den Menschen austauschen könnte.

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